Unterwaldner Naturjuiz

Vokalisation

All das, was allgemein an Jodeltechnik gelehrt wird, gilt auch in unserer Region. Dazu gehören: Atemtechnik – Kehlkopfschlag – Tonbildung – Gehörschulung   usw. Dazu kommen lokale Eigenheiten in der Vokalisation, die unsern Juiz so speziell machen.

  • Besondere Eigenart:     “ ui / dui / dui-jo / dui-ja / hol-di-jo „
  • Klangfarbe helle  „i“   (bis helles „ü“):     “ ho-li  /  du-li   /  jo-li”     u.a.m

Die auch verwendeten “lü” sind nicht ursprünglich.

Typische Tonbeispiele

Obdesseler

dr Obwaldner

Egg-Juiz

Muisflueh-Juiz

Vergleiche der Aussprache

Im Mittelland:“hüt sind Lüt zu üs cho jutze ” – In Obwalden: “hit sind Lyyt zu yys cho juizä”   (auch:   Liit zu iis cho) – In Nidwalden:“hit sind Leyt zu eys cho juizä” – In Engelberg “hüt sind Luit zu uis cho jöizä”

 

Melodiewandel im Laufe der Zeit

In Feldaufnahmen hat der deutsche Musikwissenschaftler Wolfgang Sichardt u.a im Jahre 1936 in Lungern und Kerns Jodelmelodien aufgenommen. Diese Aufnahmen interessierten mich besonders, um den Unterschied zur heutigen Aufführungs-Praxis, bezüglich Interpretation der Naturjuiz aufzuzeigen. Damals gab es weder Noten noch Tonkonserven. Der Jodler sang aus dem Gehör, er sang die Melodie so, wie er sie noch in Erinnerung hatte, interpretierte sie nach eigenem Empfinden und Können und hat sie für sich „zurecht gestutz“.

Die Interpretation eines alten Naturjuizes kann man vergleichen mit der Nacherzählung einer alten Geschichte aus dem Gedächtnis. Auch da wird, entsprechend der Fabulierkunst des Erzählers, ausgeschmückt und frei gestaltet, der Kern der Geschichte aber bleibt erhalten. Wie beim Juiz!

Jodel-Melodien erfuhren im Laufe der Zeit  immer wieder kleine Änderungen, z.B. ein „Cheerli“ (ein Melodiebogen) wurde modifiziert. In einigen wenigen Fällen ist dies auch heute noch der Fall. Die verschiedenen Interpretationen zeigen wunderschön wie ein Juiz lebt und eine eigene Dynamik entwickelt. Ähnliches gilt auch für die „Namen“ der Jodel. Der gleiche Juiz lief in den verschiedenen Regionen unter einem andern Namen und irgend ein Name hat sich schlussendlich durchgesetzt, spätestens als die Jodel aufgeschrieben wurden.

Wie erwähnt, die alten, traditionellen Natur-Juiz wurden mündlich überliefert. Das geschah bei der Arbeit auf den bäuerlichen Betrieben, aber auch bei der Waldarbeit oder auf der „Stör“ z.B. als Zimmermannen und besonders auch im Militärdienstwurde viel gejodelt, die alten „47er“ waren dafür bekannt.

Es folgen Ton-Beispiele, welche die Interpretations-Freiheiten aufzeigen. Die Jodeltechnik ist nicht zu vergleichen mit heute. Ein Jodler machte sich darüber keine Gedanken, man juizte einfach, so wie man es überliefert bekam.

Obdesseler

Die “Obdesseler-Melodie” ist im ganzen Raum Unterwalden bekannt, in Nidwalden  als  “Obdossen-Jodel”, in Lungern als “Gandegger” (nach Angaben von Neldi Ming).

Der Naturjuiz früher

Werkangaben von damals: Aufnahme Wolfgang Sichardt, Muskwissenschaftler – Datum Sommer 1936   /   Aufnahmeort Kerns   /   Interpret A. Reinhard, Maler / ohne Titelangabe

Der Naturjuiz heute

Der “Obdesseler”  Naturjuiz in einer Aufnahme vom Jahre 1970 – Interpretation:  Stanser Jodlerbuebe

Leewägriäbler

Sehr weit verbreitete Melodie. Eindrücklichs Beispiel, wie eine Melodie durch mündliche Überlieferung in verschiedenen Regionen anders interpretiert wird.

Naturjuiz früher

Werkangaben von damals: Aufnahme Wolfgang Sichardt, Muskwissenschaftler – Datum Sommer 1936 / Aufnahmeort Lungern / Interpret Hans Glaus /Arnold Burch / ohne Titelangabe

Werkangaben von damals: Aufnahme Wolfgang Sichardt, Muskwissenschaftler – Datum  Sommer 1936 / Aufnahmeort Kerns / Interpret A. Reinhard, Maler /ohne Titelangabe

Werkangaben von damals: Aufnahme Wolfgang Sichardt, Muskwissenschaftler – Datum Sommer 1936 / Aufnahmeort Lungern / Interpret Franz Gasser / Josef Gasser / ohne Titelangabe

Der Naturjuiz heute

Der heutige “Leewägriäbler” in einer Aufnahme vom Jahre 1970 – Interpretation: Stanser Jodlerbuebe. Die Leewengruebe oder Leuengrube heisst ein Heimwesen in Ennetmoos NW. Diese Melodie war der Leibjodel des Naturjodlers Adolf Zimmermann, der in der Leewengrueb wohnte.

A.L.Gassmann hat den Jodel auch in zwei verschiedenen Variationen aufgezeichnet: als „Rossbärgler (Seewen SZ) und als „Rigiblicker“ (Weggis LU).

Stockalp-Jödeli

Die Stockalp liegt oberhalb Sachseln, nördlich vom Arnigrat, süd-östlich des bekannten “Stuckli-Kreuzes”.

Der Naturjuiz früher

Werkangaben von damals: Aufnahme Wolfgang Sichardt, Muskwissenschaftler – Datum Sommer 1936 / Aufnahmeort Kerns / Interpret A. Reinhard / Leo Bucher / ohne Titelangabe

Der Naturjuiz heute

Das „Stockalp-Jödeli“, auch „Stockalper-Jödeli“ in einer Aufnahme vom Jodlerklub Flüeli-Ranft.

Klewen-Juiz

Auch dieser Juiz ist eine bekannte Melodie, die in vielen Variationen und unter verschiedenen Namen in vielen Regionen auftauchte.

Werkangaben von damals: Aufnahme Wolfgang Sichardt, Muskwissenschaftler – Datum Sommer 1936 / Aufnahmeort Lungern / Interpret Franz Gasser / ohne Titelangabe

Jodel vom Pilatus

Aufnahme-Datum 1929 / Interpretationn: Jodlerklub Edelweiss, Luzern / Tonträger: Schellackplatte

Unterwaldner Jodel

Aufnahme-Datum 1903 / Interpretation: unbekannt / Tonträger: Schellackplatte